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Böllerschießen
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Böllerschießen, bairisch-österreichisch auch Prangerschießen, ist eine Tradition, bei der an besonderen Festen und Ereignissen mit speziellen BöllergerĂ€ten und Schwarzpulver mindestens ein Knall erzeugt wird.

Die SchĂŒtzen nennt man BöllerschĂŒtzen oder PrangerschĂŒtzen. Sie sind oft als eigene Vereine organisiert oder als Abteilung in einem SchĂŒtzenverein oder Brauchtumspflegeverein integriert. Die SchĂŒtzen treten meist in Tracht oder historischen Uniformen auf.

Contents

‱ Geschichte
‱ Ladung
‱ Schussfolgen
‱ Weblinks

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AnlĂ€sse zum Böllerschießen

Das Böllerschießen findet an besonderen Festtagen statt, zum Beispiel Hochzeiten, Kirchweihen, in den RauhnĂ€chten, insbesondere an Heiligabend oder an Neujahr, zu Sonnwend. Dies geschieht, um böse Geister zu vertreiben und die anstehende Zeit mit guten Vorzeichen zu beginnen (siehe hierzu auch Osterschießen).

Zum anderen wird auch bei SchĂŒtzenfesten und bei Beerdigungen von Kriegsveteranen und langjĂ€hrigen Vereinsmitgliedern in SchĂŒtzen- und Veteranenvereinen geschossen sowie Ehrensalut fĂŒr hohe GĂ€ste bei Veranstaltungen. Am deutschen Volkstrauertag wird der Brauch des Böllerschießens zumeist in sĂŒddeutschen Dörfern gepflegt, um somit die Opfer und gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege zu ehren.

Auch zum sakramentalen Segen an den AußenaltĂ€ren bei Prozessionen zu Fronleichnam oder einer Hagelprozession ist das Böllern in einigen Gegenden ĂŒblich.

In vielen Regionen finden zudem jĂ€hrliche BöllerschĂŒtzentreffen statt.

Geschichte

Die Geschichte des Böllerschießens lĂ€sst sich bis in das 14./15. Jahrhundert zurĂŒckverfolgen, wenngleich belegte Chroniken rar sind (Erstnachweis 1377)cite-ref-gotteszeller-1-0[1]. Das liegt auch daran, dass das Böllerschießen nicht als eigenstĂ€ndiger Brauch betrachtet werden kann, sondern sich mit vielerlei anderen Traditionen entwickelt hat. Die Idee, mit Schwarzpulver Krach zu machen, dĂŒrfte so alt sein wie die Entdeckung des Schwarzpulvers selbst.cite-ref-gotteszeller-1-1[1]

Der im Berchtesgadener Land gepflegte Brauch des Schießens mit Handböllern zu Weihnachten fand im Jahr 1666 erstmals urkundliche ErwĂ€hnung.cite-ref-2[2] (siehe Berchtesgadener WeihnachtsschĂŒtzen)

Die Anschaffung von Böllern in jedem Amt fordern das KurfĂŒrstentum Trier und weitere KurfĂŒrstentĂŒmer des Heiligen Römischen Reiches im 18. Jahrhundert durch Erlass entsprechender Anordnungen. Das hierdurch ermöglichte Böllerschießen soll umliegende Gegenden alarmieren, um schnelle Nachbarschaftshilfe zu gewĂ€hrleisten.cite-ref-3[3]

Zwei Ă€ltere Hinweise auf frĂŒhes Böllerschießen:cite-ref-brattensteiner-4-0[4]

‱ Einer Sage nach probten die Hornberger (Schwarzwald) so lange ihre BöllerschĂŒsse fĂŒr die Ankunft des FĂŒrsten (wahrscheinlich Eberhard Ludwig 1677–1733), bis ihnen schon vor dem hohen Besuch das Pulver ausging, wodurch sich auch das Sprichwort „Das ging aus wie das Hornberger Schießen 
“ abgeleitet haben könnte.
‱ In einem Erlass vom 16. Juli 1696 wird das Böllern bei Strafandrohung wegen seiner GefĂ€hrlichkeit in der Markgrafschaft Ansbach verboten.

Des Weiteren gibt es insbesondere aus dem 18. Jahrhundert einige Überlieferungen, wo sich SchĂŒtzengesellschaften BöllergerĂ€te anfertigen ließen oder dass auf diversen FestivitĂ€ten geschossen wurde.

Bauformen der Böller

Die fĂŒr den Abschuss benutzten Böller waren ursprĂŒnglich „Mörser, die große steinerne Kugeln oder Feuerwerkskörper warfen“, spĂ€ter „kleine Kanonen oder Mörser zum Gebrauch bei Festlichkeiten und auf Schiffen zum Signalgeben“.cite-ref-5[5]

BöllergerÀte

Bei den BöllergerÀten wird unterschieden zwischen Handböller, Standböller und Böllerkanone.

Handböller sind meist sehr aufwĂ€ndig verziert und unterteilen sich weiter in pistolenartige oder auch gewehrartige, welche dann Schaftböller, BöllerbĂŒchse, Böllerstutzen oder Prangerstutzen genannt werden.

Standböller sind oftmals restaurierte Originale oder originalgetreue Nachbauten von historischen Vorbildern. Sonderbauformen bei Standböllern sind z. B. mörserartige oder SalutschussgerĂ€te mit drei Rohren, bei denen ein SchĂŒtze mehrere SchĂŒsse abgeben kann, ohne dazwischen nachzuladen.

Ladung

Die Böller sind in der Regel Vorderlader und werden mit Böllerpulver befĂŒllt. Das Böllerpulver besteht aus Schwarzpulver gewisser Körnung und hat eine Abbrandgeschwindigkeit von ca. 400 m/s. Die EntzĂŒndungstemperatur liegt bei etwa 300 °C, die Verbrennungstemperatur bei etwa 2500 °C.

WĂ€hrend bei den Handböllern Kaliber von 10 bis 25 mm ĂŒblich sind, sind es bei Standböllern und Böllerkanonen hĂ€ufig enorme Kaliber. Bei Standböllern von bis zu 100 mm und bei Böllerkanonen bis zum Ø 120 mm. GrĂ¶ĂŸere Kaliber werden nicht mehr zum Neubeschuss zugelassen. Die Pulvermenge pro Schuss betrĂ€gt bei solch einem Kaliber bis zu 600 Gramm bei Kanonen und 400 Gramm bei Standböllern, im Gegensatz zu einem 15 mm Handböller, der lediglich 13 Gramm Pulver benötigt.

Das Böllerpulver wird im Böller hĂ€ufig mit Hilfe eines Korkens verdĂ€mmt, aber der Gesetzgeber sagt: Als Vorlage in einem Böller dĂŒrfen nur Materialien verwendet werden, die zu keiner Überschreitung der zulĂ€ssigen Masse der Vorlage entsprechend der Ladetabellen fĂŒhren. Die Einbringung der Vorlage darf darĂŒber hinaus keine Belastungserhöhung des Böllers verursachen. ZulĂ€ssig sind Kork und sehr leichte, weiche und nicht brennbare Materialien. In Österreich ist es erlaubt, auch Papier oder Holzstoppeln zur VerdĂ€mmung zu benutzen. Letztere bestehen meistens aus Fichtenholz und finden bei Böllerstutzen Verwendung. Die VerdĂ€mmung wird mithilfe von Hammer und Ladestock in das Rohr geschlagen.

GezĂŒndet wird die Ladung durch ein ZĂŒndhĂŒtchen, welches wiederum durch einen Schlagbolzen (meist bei Kanonen und Standböllern) oder durch ein Perkussionsschloss (bei Handböllern) gezĂŒndet wird. Ebenfalls möglich ist die Verwendung eines elektrischen BrĂŒckenanzĂŒnders, was gerade bei großkalibrigen Standböllern zunehmend Verwendung findet, und auch die sicherste ZĂŒndmethode ist.

Bei Hinterlader-Kanonen wird das Pulver nicht von vorne in das Rohr eingebracht, sondern in Form einer fertigen Kartusche von hinten geladen.

Nach dem Abfeuern werden die Pulverreste entfernt.

Arten des Böllerschießens

Beim Schießen kann nach den AnlĂ€ssen unterschieden werden, bei denen einerseits nur wenige einzelne SchĂŒtzen, andererseits auch mehrere Hundert an sogenannten BöllerschĂŒtzentreffen auftreten können.

Schussfolgen

Es wird dabei nach bestimmten Reihenfolgen geschossen, die der SchĂŒtzenmeister vorgibt.

Folgende Grundformen von Salven sind ĂŒblich:

‱ Das Lauffeuer wird im gleichen Takt geschossen (man wartet etwa, bis man den Schall vom VorgĂ€nger wieder hört). Das geht mehrere Runden durch, daher muss der einzelne SchĂŒtze schnell beim Nachladen sein, damit es keine Verzögerungen gibt.
‱ Das Schnellfeuer wird wie das Lauffeuer im gleichmĂ€ĂŸigen Takt ausgefĂŒhrt, allerdings erfolgen die SchĂŒsse mit kĂŒrzestem Abstand unmittelbar hintereinander.
‱ Der Salutschuss erfolgt gleichzeitig von allen SchĂŒtzen.
‱ Das Rad wird mit zunehmender Geschwindigkeit geschossen, bis die letzten 2 bis 3 schon fast gleichzeitig abdrĂŒcken.
‱ Gern geschossen wird auch der Doppelschlag, bei dem zwei SchĂŒtzen direkt nacheinander abfeuern und dann etwas gewartet wird, bis die nĂ€chsten beiden feuern

In der PrĂ€zision oder dem Tempo dieser Salven und ihrer Kombinationen zeigt sich die QualitĂ€t einer SchĂŒtzenformation.

Beim Gruppenschießen erfolgen die einzelnen Schritte auf dem Schießplatz, einschließlich der LadetĂ€tigkeiten, auf Kommando des SchĂŒtzenmeisters.

Rechtsgrundlagen

Böllerpulver unterliegt dem Sprengstoffgesetz in Deutschland und dem Pyrotechnikgesetz in Österreich.

In Deutschland muss der SchĂŒtze demnach Inhaber einer Erlaubnis nach § 27 SprengG sein und es muss fĂŒr jeden einzelnen Böller eine Beschussbescheinigung vorliegen. Die BöllergerĂ€te mĂŒssen turnusmĂ€ĂŸig alle fĂŒnf Jahre dem Beschussamt zur NachprĂŒfung (§ 6 BeschussV), bzw. bei Standböllern und Böllerkanonen zum Nachbeschuss vorgefĂŒhrt werden. BöllergerĂ€te zĂ€hlen nicht als Waffe im Sinne des Waffengesetzes.

FrĂŒher wurde fĂŒr jedes Böllerschießen eine Genehmigung von der Gemeinde benötigt, außerdem musste man das Schießen bei der örtlichen Polizei anmelden. Es war nicht erlaubt, auch nicht an Silvester, ohne Erlaubnis zu böllern. Heute ist es ausreichend, die Polizei bzw. die Gemeinde zu informieren.

Zu weiteren Informationen siehe Rechtshinweise im Artikel Schwarzpulver.

UnfĂ€lle beim Böllerschießen

In Hamm-WesttĂŒnnen wurde im Juni 2012 einem Mann die rechte Hand abgerissen, als sich beim Nachladen Schwarzpulver entzĂŒndete. Im Juni 2012 wurde in Leverkusen-Schlebusch ein Mann beim ZĂŒnden einer Kanone von der Schwarzpulverladung im Gesicht getroffen und schwer verletzt. Im Juli 2015 wurde der SchĂŒtzenkönig der St.-Magnus-Bruderschaft in Niedermarsberg beim traditionellen Anböllern des dortigen SchĂŒtzenfestes tödlich von TrĂŒmmerteilen getroffen (Bei zwei kleinen Böllerkanonen aus dem Jahr 1998 waren Teile der VerschlĂŒsse abgerissen).cite-ref-bs2015-6-0[6]cite-ref-7[7]

Weblinks

Commons

: Böllerschießen

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

cite-note-gotteszeller-11. ↑ Historisches ĂŒber das Böllerschießen. Gotteszeller BöllerschĂŒtzen, 21. Dezember 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 5. Juni 2011; abgerufen am 5. Januar 2009.
cite-note-22. ↑ „Erst ein Verbot aus dem Jahre 1666 kann als unmittelbare Unterlage hierfĂŒr (das Weihnachtsschießen) herangezogen werden, weil es diese Dinge direkt beim Namen nennt.“ – wozu Kriß wiederum aus dem FĂŒrstlichen Berchtesgadnerischen Ratsprotokoll von 1666, Blatt 17 zitiert: „... welcher gestalten zu Weihnachten, den 3 RauhnĂ€chten, auch anderen Zeiten mit unaufhörlichen plenkhen des schiessens, gar nicht die Ehre Gottes befördert, sondern nur allerhand bubereyen inmittels verĂŒbt ...“ zitiert in: Rudolf Kriß: Die WeihnachtsschĂŒtzen des Berchtesgadener Landes und ihr Brauchtum. Berchtesgadener Anzeiger, Berchtesgaden 1966, S. 10.
cite-note-33. ↑ Franz-Josef Sehr: Brandschutz im Heimatgebiet vor 300 Jahren. In: Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg (Hrsg.): Jahrbuch fĂŒr den Kreis Limburg-Weilburg 2022. Limburg 2021, ISBN 978-3-927006-59-1, S. 223–228.
cite-note-brattensteiner-44. ↑ Karl Heinz Kaiser: Anmerkungen zum Brauchtum des Böllerschießens. Hrsg.: BöllerschĂŒtzen „Burg Brattenstein“, SG Fortuna Röttingen. (Webdokument [abgerufen am 5. Januar 2009]).
cite-note-55. ↑ Böller. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 3: Bismarck-Archipel–Chemnitz. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1905, S. 182 (Digitalisat. zeno.org).
cite-note-bs2015-66. ↑ Rita Maurer: Niedermarsbergs SchĂŒtzen trauern um ihren König. Tragödie zum Start des SchĂŒtzenfestes in Niedermarsberg. In: www.derwesten.de. FUNKE Digital GmbH, 12. Juli 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 22. April 2022; abgerufen am 23. April 2024.
cite-note-77. ↑ Rita Maurer: Behörden nehmen Ermittlungen zur Unfall-Ursache auf. In: Westfalenpost. 13. Juli 2015.